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Knochenschädel aus der Anatomischen Sammlung, bemalt, 1822 (Foto Hannah Bayer)
Aus der Anatomischen Sammlung: Knochenschädel aus der Anatomischen Sammlung, bemalt, 1822.

Blütenzweige auf dem Schädel

01.06.2021

Das Objekt des Monats Juni ist ein kleiner und zarter
Knochen-Schädel.
Er ist mit Buchstaben
und blühenden Zweige bemalt.
Wie und wann er in die Sammlung kam,
ist bis heute nicht bekannt.
Die Dekoration von Schädeln ist aus Bayern
und Österreich bekannt.
Bis Ende des 20. Jahrhunderts gab es in
verschiedenen Gemeinden dort
die sogenannten Beinhäuser.
Ein Beinhaus ist ein überdachter Raum auf
Friedhöfen.
Verstorbene Menschen wurden erst auf
einem Friedhof begraben.
Nach einigen Jahren wurden die Überreste
wieder ausgegraben.
In den Beinhäusern wurden sie zum zweiten Mal bestattet.
Oft waren dann nur noch Schädel
und Oberschenkel-Knochen erhalten.
Sehr bekannt ist heute das Beinhaus in Hallstatt.
Hallstatt liegt in Ober-Österreich.
Darin lagern mehr als 1.200 Schädel.
Mehr als die Hälfte der Schädel sind bemalt.

Auch der gezeigte Knochen-Schädel gehört zu diesem Brauch.
Auf der Oberseite des Schädels kann man etwas lesen.
Dort erkennt man den Namen der Toten: Maria.
Sie wurde nur 13 Jahre alt
und ist am 23. Februar 1814 in Fischhausen gestorben.
Fischhausen ist ein Ort in Oberbayern.
1822 wurde sie zum zweiten Mal bestattet.
Das sieht man auf der Stirn des Schädels.
Die aufgemalten Blüten-Zweige könnten ein
Rosen-Kranz sein.
Unverheiratete Mädchen trugen ihn bei ihrer Bestattung.
Auf dem Schädel ist etwas für die
Hinterbliebenen geschrieben:
„12 Uhr abends war die letzte Stunde mein,
niemand weiß, wann kommt die sein(e).“
Es ist ein Denkspruch.
Er sagt,
dass niemand wissen kann,
wann er oder sie sterben wird.

Über die Angaben auf dem Schädel hofft man,
mehr über das Mädchen Maria zu erfahren.
Und wie der dekorierte Schädel in die Sammlung kam.
Darum wurde bei den Kirchen um Fischhausen angefragt,
ob dort etwas über Maria bekannt ist.


Aus der Anatomischen Sammlung:
Knochenschädel, bemalt, 1822,
Material/Maße, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Anatomische Sammlung
InvNr. OCP 083.

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