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Abb. 3: Weiblicher Kuckuck aus dem Phyletischen Museum mit der Inventarnumer PMJ Aves 838.
Aus dem Phyletischen Museum: Kuckucks-Dame mit der Inventarnummer PMJ Aves 838

Kuckuck

01.01.2021

Das hört` ich oft – Und falsch gehofft –
Und kommt er auch – So ist`s ein Gauch –


So schreibt J. W. v. Goethe das Gemurmel in Faust[1], der Tragödie zweiter Teil. Das Wort „Gauch“ und seine Verwendung im deutschen Sprachraum sind heute so selten[2] wie einen lebenden Kuckuck zu Gesicht zu bekommen. Gauch als veralteter Name für Kuckuck hat jeher auch die Bedeutung „Narr oder Tor“ – dessen Bedeutung eher zum Gemurmel aus Goethes Faust passt.

Mit dem Wort Kuckuck ist die in Mitteleuropa am häufigsten vorkommende Art der Kuckucke - Cuculus canorus Linnæus gemeint. Anlässlich der feierlichen Eröffnung von „Brehms Welt – Tiere und Menschen“ am 29.08.2020 wurde der Kuckuck als Objekt des Monats auserwählt.

Die Universität war durch Prof. Dr. Dr. h. c. Martin Fischer, Direktor des Instituts für Zoologie und Evolutionsforschung, maßgeblich an der Umsetzung des langjährigen Projektes beteiligt. Zusätzlich gingen alle 162 Präparate – von Wolf bis Wintergoldhähnchen, die sich im Brehm-Haus befinden, durch die Hände der zwei Präparatoren des Phyletischen Museums. Die Präparate wurden restauriert, habituiert und montiert. Unter den Tieren, die z.T. als Dauerleihgabe an Brehms Welt gegeben wurden befinden sich auch äußerst wertvolle Präparate – so auch der Kuckuck.

Die Geschichte des Tieres reicht zurück bis um das Jahr 1912. Ein erster Schriftlicher Beleg ist im „Katalog der Schausammlung“ des Phyletischen Museums unter der Nummer 80 als „Kuckuck jung ♀ Feustel Gera“ verzeichnet (Abb 01).

Carl Feustel (1861-1940) war Präparator in Gera der seine beachtliche Sammlung an z.T. exotischen Vögeln und Käfern an das Städtische Museum Gera vermachte[3]. Vermutlich wurde das Kuckuckspaar angekauft und später in einer Vitrine zu Variabilität im heutigen Evolutions-Saal ausgestellt (Abb. 02).

Bis heute befinden sich nur vier Habitus-Präparate im Bestand des Phyletischen Museums. In über 100 Jahren konnten nur zwei weitere Kuckucke der Sammlung hinzugefügt werden, eine Zahl, die für sich spricht und die Seltenheit des Vogels verdeutlicht.

„Unsere“ Kuckucks-Dame mit der Inventarnummer PMJ Aves 838 weist noch eine weitere Besonderheit auf, die nur unter wenigen Kuckucken auftritt. Gegenüber den überwiegend schiefergrauen Adulttieren ist das hiesige, etwa 30 cm große Tier, eine braune Farbmorphe (Abb 03). Über die Häufigkeit der Farbmorphe liegen keine exakten Zahlen vor, der Anteil beschränkt sich aber auf wenige Prozent (Becker & Dankhoff 1973).

Literatur:

Glutz von Blotzheim & Bauer (1980). Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Band 9, S. 181-226.

Sackl, P. (1985). Mitt. Abt. Zool. Landesmus. Joanneum. Heft 34, S. 31-33


[1] Goethe, Johann Wolfgang von: Faust. Der Tragödie zweiter Teil. Stuttgart, 1832, S. 18. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/goethe_faust02_1832/30>, abgerufen am 16.09.2020.