Kunstsammlung

Kunsthistorisches Seminar und Kustodie

Die Kustodie betreut die Denkmäler und den Kunstbesitz der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die bereits im 16. Jahrhundert gegründete Kunstsammlung umfasst weit über 1.300 Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Universitätsmedaillen und andere kunsthandwerkliche Gegenstände. Es ist ein besonderer Brauch an der Universität Jena, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Kunstwerke der Kustodie zur Ausgestaltung ihrer Diensträume leihweise zu überlassen. Außerdem verwahrt die Kustodie die Universitätsinsignien und die Talare für akademische Festveranstaltungen.
Zu den zentralen Objekten der Sammlung zählen eine Bildnisreihe Jenaer Professoren aus fünf Jahrhunderten, Monumentalgemälde bedeutender Künstler wie Ferdinand Hodler, Ludwig von Hofmann und Erich Kuithan sowie Sulpturen u.a. von Auguste Rodin. In der Kunstsammlung sind auch Beispiele moderner Kunst von Frank Stella, Imi Knoebel, Emil Schumacher u.a. vertreten.



Porträt Johann Friedrich der Großmütige zu Pferde

M 128_Hanfried zu Pferde Foto: Friedrich-Schiller-Universität Jena: Kustodie
Zugehörige Sammlung:
Kustodie
Inventarnummer:
M 128
Klassifikation:
Malerei
Objekttyp:
Gemälde
Künstler:
Sachsen-Meiningen, Ernst Bernhard Victor Georg von
Datierung:
1908
Maße:
Gesamt: Höhe: 355 cm; Breite: 350 cm
Material:
Leinwand
Technik:
Öl
Bemerkung:
Porträt Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen,
Johann Friedrich der Großmütige zu Pferde.
1908 Signiert und datiert am unteren linken Bildrand:
E[rnst] S[achsen] M[einingen] CMVIII [1908]

Johann Friedrich I. wird dem Betrachter in Ganzfigur als Reiter eines prächtigen Schimmels vor weiter Landschaftskulisse präsentiert. Mit befedertem Barett, pelzbesetztem Kurzmantel, kurzem Beinkleid und Kuhmaulschuhen bekleidet, wendet er sich, die Rechte aufgestützt, in huldvoller und dennoch entspannter Pose deutlich seinem Gegenüber zu, während er mit der linken behandschuhten Hand die Zügel seines Pferdes hält. Dieses ist im klaren Profil und einem Bewegungsmotiv mit ausgreifendem linkem Vorderbein dargestellt, wodurch dem Betrachter der Blick auf die sich im Hintergrund erstreckende Landschaft freigegeben wird. Dort ist die Jenaer Stadtanlage mit dem Turm von St. Michael, der charakteristischen Giebelform des Rathauses und der überragenden Gestalt des Fuchsturms erkennbar.
Damit ist gleichzeitig der Standort, den der Maler für sein Reiterbildnis gewählt hat, erkennbar: Johann Friedrich reitet über den Schauplatz der Schlacht bei Jena von 1806, einen der bedeutendsten Gedächtnisorte der jüngeren deutschen Geschichte, an die mit dieser anachronistischen Darstellung erinnert werden soll.
In der Tradition des klassischen Herrscherbildnisses dominiert die zentrale Gruppe aus Ross und Reiter die im Vergleich nur miniaturhaft gezeigte Landschaft, die vom Betrachter aber dennoch als Heimat unter aufgehender Sonne wieder erkannt wird. Ebenso rekurrieren Kleidung und Physiognomie der Figur klar auf historische Darstellungen des sächsischen Herrschers und sichern so das Wiedererkennen.
Als 'gemaltes Reiterstandbild' setzt die großformatige Darstellung Johann Friedrich gleichsam ein Denkmal als Landesvater und Licht- und Lehrbringer in seiner Rolle als Gründer der Hohen Schule, für das - und damit auch für seinen Maler - ein Ehrenplatz an zentraler Stelle in der Aula des Universitätsneubaus reserviert war. Prinz Ernst, Sohn Georgs II. von Sachsen-Meiningen, gilt als Malerdilettant, der bei Wilhelm von Kaulbach in München gelernt hatte und mit dem Reiterbildnis in Jena wohl sein bekanntestes Werk geschaffen hat.
Wie ältere Fotografien zeigen, wurde das Gemälde dort zusammen mit dem Leitspruch Johann Friedrichs VERBUM DOMINI MANET IN AETERNUM (Das Wort Gottes gilt in Ewigkeit) und den an der Westwand gehängten Bildnissen der Regenten der vier Erhalterstaaten präsentiert.
Johann Friedrich erhält in seiner Bedeutung als Beschützer des Glaubens und der Wissenschaften buchstäblich eine Vorreiterrolle für die 'anwesenden' Herrscher, die sich damit auch in die Tradition des Großmütigen stellen.
(Babett Forster)
Abbildungsrechte:
Friedrich-Schiller-Universität Jena: Kustodie