Anatomical Collection

Anatomical Collection—Museum anatomicum Jenense

Die Anatomische Sammlung der Medizinischen Fakultät gehört medizingeschichtlich wie kulturhistorisch zu den wertvollsten Sammlungen der Universität. Ihre Gründung vor über 200 Jahren geht auf den Mediziner Justus Christian Loder zurück.

Die Sammlung enthält wichtige Zeitzeugnisse medizinischer Ausbildung, dokumentiert den Wandel der Modellherstellung und gibt einen historischen Überblick zur Präparationstechnik. Ihre kulturhistorische Bedeutung gewinnt die Sammlung durch die im Mittelpunkt des Museum anatomicum Jenense stehenden sogenannten "Zwischenkiefer-Präparate", die an die vergleichenden anatomischen Studien Johann Wolfgang Goethes erinnern.

Ergänzt wird das Museum Anatomicum Jenense durch eine umfangreiche Lehrsammlung, die – nach Organsystemen gegliedert – sowohl der Aus- und Weiterbildung von Medizinstudent*innen als auch von medizinischem Personal dient.

Zwischenkiefer eines Neugeborenen (Lehrstück im Glas)

belonging collection:
Anatomische Sammlung - Museum anatomicum Jenense
inventory number:
O-P 59
classification:
Wissenschaft/Hochschule
Medizin
objecttype:
Humanpräparat
producer:
Lange, Dr. Karl
place of manufacture:
Leipzig
date:
1903
dimension:
Gesamt (im Behältnis): Höhe: 12 cm; Breite: 15 cm; Tiefe: 5 cm
material:
Knochen (menschlich)
Glas: Behältnis
technique:
Mazeration
comment:
Bei dem Präparat handelt es sich um das Milchgebiss eines Neugeborenen, ein historisches Lehrstück des Leipziger Universitätspräparators Karl Lange.

Am Oberkiefer des Neugeborenen erkennt man gelegentlich Spuren eines bei Tieren deutlich sichtbaren Knochens, der zwischen den beiden Oberkieferknochen (Maxillae) -gleichsam eingekeilt- zu liegen kommt. Insbesondere in der Ansicht auf den vorderen Abschnitt des Gaumens wird deutlich, dass der Zwischenkieferknochen, Os intermaxillare, durch eine quer verlaufende, hinter den Schneidezahn-Anlagen endende Knochennaht (Sutur) von den Oberkieferanlagen des Gaumens getrennt ist. Da der Zwischenkieferknochen die Schneidezähne (Incisivi) des Oberkiefers trägt, wird er auch als Schneideknochen, Os incisivum, bezeichnet. Beim Erwachsenen ist er mit dem benachbarten Oberkieferknochen derart verwachsen, dass keinerlei trennende Knochennähte mehr erkennbar sind. Diese Tatsache veranlasste berühmte Anatomen bis in die Goethezeit, das Vorhandensein des Zwischenkieferknochens beim Menschen und damit dessen Verwandtschaft zum Tier zu bestreiten.
(OÄ Dr. Rosemarie Fröber)
image rights:
Friedrich-Schiller-Universität Jena