Aus der Sammlung Ur- und Frühgeschichte
Dreilagenkamm aus Dunaszekcsö, Ungarn, spätes 4. bis 5. Jahrhundert
(Foto Ivonne Przemuß)

Prof. Dr. Peter Ettel
peter.ettel@uni-jena.de

Lehrstuhl Ur- und Frühgeschichte
Löbdergraben 24a
07743 Jena

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Haarpflege in der Völkerwanderungszeit

01.01.2017
Der vorliegende Kamm stammt von einem Gräberfeld in Dunaszekcsö, Komitat Baranya / Ungarn und datiert in das späte 4. bis 5. Jahrhundert. Er gehört zur Gruppe der Dreilagenkämme.

Diese mehrlagigen Kämme wurden überwiegend aus Geweih- oder Knochenplatten gefertig, in die die Kammzähne eingesägt wurden. Da dies nur längs zur Faserrichtung der Geweihplatten erfolgen konnte, waren die Breiten der Kämme anfangs an die Breite des Rohmaterials gebunden. Um Kämme mit deutlich größeren Ausmaßen herstellen zu können, wurden mehrere längsgefaserte Geweihplatten nebeneinander gelegt und durch zwei quergefaserte Deckplatten mittels Nieten verbunden. Oberhalb der längsgefaserten Zahnplatten wurde zudem ein quergefasertes Keilstück eingesetzt, das für zusätzlichen Halt sorgte. Anschließend wurde die Form der Griffplatten ausgesägt und diese verziert. Als letztes erfolgte die Einsägung der Zähne in die mittlere Plattenlage.

Der Kamm aus Dunaszekcsö gehört zu der Gruppe der Dreilagenkämme mit erweiterter bzw. buckliger Griffplatte. Die Kämme dieses Typs weisen eine rechteckige bis leicht geschweifte Griffplatte auf, in deren Mitte sich eine halbrunde Erweiterung befindet.
Als Verzierungselemente weist der Kamm mehrere Linien auf, die in einer aus der Metallbearbeitung bekannten, punzierähnlichen Methode auf die Deckplatten aufgebracht wurden. Damit liegt mit dem Stück ein seltenes Exemplar eines verzierten Dreilagenkammes mit erweiterter Griffplatte vor, da die meisten Kämme dieser Form unverziert blieben. Vergleichbare Kämme mit erweiterter Griffplatte sind vor allem aus dem südrussichen, donauländischen sowie ost- und elbgermanischen Raum bekannt und treten häufig gemeinsam mit gotischen Blechfibeln auf. Aus diesem Grund ist eine Datierung der Kämme in das späte 4. bzw. frühe 5. Jahrhundert möglich.

Inventar-Nr.: G.M.J. 24240
Zeitstellung: Völkerwanderungszeit
Material: Bein
Maße: Breite 7,2 cm; Höhe 4,5 cm; Dicke 0,4 cm (erhaltene Abmessungen)

Literatur:

M. BIRO, Qualitative Analyse der Wechselwirkung der provinzialen und barbarischen Beinwerkstätte aufgrund der spätantiken Kämme. In: Gentes, Reges und Rom. Auseinandersetzung - Anerkennung - Anpassung. Festschrift für Jaroslav Tejral zum 65. Geburtstag. Spisy Archeologickeho ustavu av cr Brno 16 (2000), S. 167-182

M. BIRO, Combs and comb-making in Roman Pannonia: ethnical and historical aspects. In: J. Tejral (Hrsg.), Probleme der frühen Merowingerzeit im Mitteldonauraum. Spisy Archeologickeho ustavu av cr Brno 19 (2002), S. 31-72

S. THOMAS, Studien zu den germanischen Kämmen der römischen Kaiserzeit. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 8 (1960), S. 54-215

(Dr. des. Enrico Paust)