Aus der Sammlung Ur- & Frühgeschichtliche Archäologie
Maskenring aus Pößneck / Saale-Orla-Kreis (Thüringen)
(Foto Ivonne Przemuß)


Prof. Dr. Peter Ettel
peter.ettel@uni-jena.de

Lehrstuhl Ur- und Frühgeschichte
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07743 Jena

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Masken, Fratzen und Gesichter

01.06.2017
Der vorliegende, sogenannte Maskenarmring ist ein einzigartiges Fundstück aufgrund seiner bildhaften Gestaltung. Seine klassisch-figürliche Verzierung ist charakteristisch für den Stil der Frühlatènezeit und demzufolge typisch für den handwerklichen Einfluss aus dem Kreis der Kelten.

Darstellungen von Masken, Fratzen, Gesichtern oder ganzen Köpfen zierten Gegenstände wie Trinkgeschirr, Waffen und Trachtbestandteile wie beispielsweise Schmuckobjekte. Direkte Vergleichstücke zu dem Armring aus Pößneck gibt es jedoch nicht. Seine 3er-Symmetrie, gekennzeichnet durch Verdickungen (daher auch als Dreiknotenring bezeichnet), wird unterstrichen durch die auf den drei "Knoten" sitzenden Darstellungen einer Maske, eines Widderkopfes und eines Dreifachwirbels.
Für den massiven Ring wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit eine sogenannte verlorene (Guss-) Form angewandt. Dabei wird verflüssigte Bronze in eine aufwändig vorgefertigte Tonform gegossen, die zur Entnahme des Gussstückes zerschlagen werden muss. Das Schmuckstück wird folglich zum Unikat. Die Masken und die Torsion sind bei diesem "Meisterstück" bereits in der Form angelegt worden. Die Torsion macht folglich nur den Eindruck zweier gedrehter Stäbe, wodurch man auch von einer Scheintorsion sprechen kann.

Nicht auszuschließen ist, dass der Ring von einem Handwerker aus dem Keltenraum in heimischer Produktion gefertigt wurde oder aber im Latènekreis (der sich von Frankreich über Süddeutschland bis nach Böhmen erstreckte) produziert und in den Mittelgebirgsraum beispielsweise verhandelt wurde.

Der Bronzering wurde 1874 in Pößneck, im Bereich einer Kiesgrube am östlichen Fuße der Altenburg gefunden. Als Beigaben eines Nord-Süd orientierten Doppelkörpergrabes in gehockter Stellung wurden neben dem Maskenring, eine Bronzefibel, eine verbogenes Eisenschwert sowie ein schlichter Armring gefunden.
Aufgrund seines großen Durchmessers und der Tatsache, dass nicht wie üblich zwei gleichartige (Arm-)Ringe dem Bestatteten beigegeben wurden, wird der vorliegende Ring auch als Dreiknotenoberarmring interpretiert.

Der Maskenarmring ist nebst weiterer Fundobjekte der ur- und frühgeschichtlichen Sammlung noch bis zum 31. Oktober 2017 in der Sonderausstellung "Der unbekannte Gott. Rätselhafte Glaubenswelten." im Bergfried Dicker Wilhelm, Schloss Neuenburg in Freyburg a. d. Unstrut, zu sehen.

Inventar-Nr.: 31490
Zeitstellung: Frühlatènezeit (spätes 4. Jh. v. Chr.)
Material: Kupferlegierung (vmtl. Bronze)
Maße: Durchmesser ca. 9 cm
Gewicht: 85 g

Ivonne Przemuß