Aus der Hilprecht Sammlung: Keilschrifttafel (18./17. Jh. v. Chr.) mit einer epischen Dichtung in sumerischer Sprache um Lugalbanda, einen sagenhaften König der Stadt Uruk
(Detailaufnahme, Foto Dr. Anne Goddeeris)


Prof. Dr. M. Krebernik
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Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients
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Einer der ältesten schriftlich überlieferten literarischen Texte

01.09.2010
Die sumerische Literatur ist die älteste schriftlich überlieferte: Literarische Keilschrifttexte in sumerischer Sprache sind seit ca. 2600 v. Chr. erhalten.

Die vorliegende, aus der altbabylonischen Zeit stammende Keilschrifttafel (18./17. Jh. v. Chr.) überliefert eine epische Dichtung um Lugalbanda, einen sagenhaften König der Stadt Uruk. Wie andere Epen um  frühe Könige von Uruk ist sie jedoch bereits unter der III. Dynastie von Ur (21. Jh. v. Chr.) verfaßt worden. Diese Könige betrachteten sich nämlich als Nachfahren der legendären Herrscher von Uruk, zu denen neben Lugalbanda dessen Vorgänger Enmerkar und vor allem sein Sohn Gilgamesch zählten. Der Text berichtet, wie Lugalbanda, ein Offizier im Heer des Königs Enmerkar von Uruk, auf einem Kriegszug gegen das sagenhafte, weit im östlichen Bergland (dem heutigen Iran) gelegene Aratta von Krankheit befallen und ohnmächtig in einer Höhle zurückgelassen wird. Lugalbanda erwacht nach einigen Tagen und ist über seine trostlose Umgebung erschrocken. Er betet zunächst zum Sonnengott Utu um Rettung. Dieser erhört sein Gebet. Die Venus-Göttin Inanna und der Mondgott Nanna erscheinen ihm und sagen ebenfalls ihre Hilfe zu. Als Lugalbanda erwacht, wird er durch Lebenswasser und heilkräftige Pflanzen gestärkt, es gelingt ihm, aus zwei Steinen Feuer zu schlagen und sich ein Mahl zu bereiten, er fängt einen Wildstier und eine Wildziege. Durch den Traumgott erfährt er, wie er diese schlachten soll, und so bereitet er den Göttern ein Opfer - vielleicht das mythische Vorbild für alle späteren. In einer weiteren Lugalbanda-Dichtung, die möglicherweise an diese anschloß, wird erzählt, wie Lugalbanda im Gebirge dem Jungen des Riesenvogels Anzu Wohltaten erweist und von jenem mit wunderbarer Laufkraft begabt wird, die ihn befähigt, das Heer einzuholen und zum Sieg über Aratta beizutragen.

Diese Tafel wird, zusammen mit drei weiteren Keilschrifttafeln mathematischen, medizinischen und juristischen Inhalts sowie mehreren Dokumenten aus H.V. Hilprechts schriftlichem Nachlass, in der Ausstellung "WeltWissen. 300 Jahre Wissenschaften in Berlin" (Berlin, Gropius-Bau, 24.9.2010 - 9.1.2011) zu bewundern sein.

Material: Ton (sekundär gebrannt)
Maße: ca. 200 x 150 x 20 mm
InvNr. HS 1479+

Prof. Dr. Manfred Krebernik