Aus der Alphons-Stübel-Sammlung früher Orientfotografie:
"Konstantinopel" Fotografie von James Robertson, vor 1858

Prof.Dr. Norbert Nebes
norbert.nebes@uni-jena.de

Lehrstuhl für Semitische Philologie und Islamwissenschaft
Löbdergraben 24a
07745 Jena
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nicht öffentlich - Voranmeldung erforderlich

Fotografie um 1858

01.02.2010
Bei dieser Aufnahme handelt es sich um eine der frühesten Fotografien aus Konstantinopel.  Sie stammt von der Hand des schottischen Fotografen James Robertson, dessen im Stadtteil Pera ansässiges Fotostudio zu einem der ersten im Vorderen Orient zählte.
Erworben wurde dieser Abzug von dem aus Dresden stammenden Reisenden und Sammler Alphons Stübel auf seiner ersten Orientreise 1856-1858, der damit den Grundstein zu einer Fotosammlung legte, die sich seit Anfang des 20. Jahrhundert im Besitz der Universität Jena befindet.
Eines der ersten Anlaufziele für Reisende in Konstantinopel war der At Maidan im Bereich des antiken Hippodroms, von dessen ursprünglichen Monumenten noch zwei Obelisken und die gedrehte Säule erhalten geblieben waren. Dieser Situation entsprechend, zeigt der Fotograf Robertson die Platzanlage in einem Hochformat, das die beiden Obelisken wie auch die unscheinbare Schlangensäule, die einst die Mittellinie der antiken Rennbahn markierten, in voller Länge auf der mittleren Bildebene abbildet. Dahinter breiten sich die traditionellen Holzhäuser der Altstadt aus, während die Freifläche des Vordergrundes von einigen Personen besetzt ist. Die weite Platzanlage wird in der Suche nach einer ausgewogenen Komposition vom Fotografen zu einem überschaubaren Bildraum verdichtet, der sich auf die erhaltenen Monumente beschränkt. Wie Pendants stehen sich die beiden Obelisken auf einer leicht diagonal ins Bild führende Linie gegenüber, mit der die ebenfalls auf einer Bildlinie positionierten zwei Gruppen und die Einzelperson im Vordergrund korrespondieren, die mit dem dunklen Häusergefüge im Hintergrund den Bildausschnitt harmonisieren. Anhand des Arrangements und der Schemen am rechten Bildrand, wo Personen in Bewegung waren, zeigt sich die für die Aufnahme notwendige lange Belichtungszeit.

James Robertson
Konstantinopel, das Hippodrom "Robertson" / "Obelisque dans l'hyppodrome"
Salzpapierabzug vom Glasnegativ (?),
25,2 x 30,0 cm
vor 1858
Rücktext:
"[Tusche:] Constantinopel. / Hippodrom; von Septimus Severus angelegt von Constantin d. Gr. / erweitert. (Atmeidan = Pferdeplatz). / Obelisk des Theodosius von diesem Kaiser aus Aegypten geholt. / Der Obelisk ist von Thutmes II. 1600 v. Chr. in Heliopolis errichtet. / Reise 1858."
ASSFOF, InvNr. 0012.1.

Babett Forster