Aus der Sammlung Ur- und Frühgeschichte:
Halsring aus Dienstedt / Ilmkreis (Thüringen) aus einem Fürstinnengrab, 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts
(Foto Jan-Peter Kaspar)

Prof. Dr. Peter Ettel
peter.ettel@uni-jena.de

Lehrstuhl Ur- und Frühgeschichte
Löbdergraben 24a
07743 Jena

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Schmuck für die Fürstin

01.10.2013
Dieser aufwendig gefertigte Halsring stammt aus einem Fürstinnengrab bei Dienstedt und datiert in die 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts.
Bereits im Jahre 1837 bei Straßenbauarbeiten entdeckt, gehören zum Inventar dieses so genannten Körpergrabes 1 neben dem massiven Halsring eine Vielzahl wertvoller Beigaben von einzigartiger handwerklicher Ausführung. "In kiesiger kalkiger Lehmerde befand sich 4 Fuß tief [ca. 112,8 cm] die Spur eines Leichnams, dessen Knochen aber durch die leiseste Berührung wie Zunder zerfielen. Dieser Leichnam hatte das Gesicht von Morgen nach Abend, der silberne Ring war der Lage nach um den Hals, an diesem Ringe links und rechts die beiden Rosetten [2 silberne, teilweise vergoldete Dosenfibeln], die Bernsteinstückchen [10 Perlen und 10 achtförmige Anhänger] befanden sich um die Brust herum liegend. Zu den Füßen des Leichnams standen die [Bronze]Gefäße, das kleine [Hemmoorer Eimer mit Bügelhenkel] in dem großen [Becken mit drei Ringhenkeln] stehend und in diesem eine kleine [Keramik]Urne, die sogleich zerfallen ist. […]".
Weiterhin befanden sich u. a. eine Nadel, zwei Armringe und eine Armbrustfibel - jeweils aus Silber, zwei Knochennadeln, Reste eines eisernen Messers mit Elfenbeingriff sowie zahlreiche weitere Kleinobjekte in diesem Grabkomplex. Die Beigaben zeugen von hohem handwerklichem Können.
Der massive rundstabige Halsring besitzt als Verschlusselement eine birnenförmige Verschlussplatte und ein Hakenende. Zu den Verschlussenden hin sind jeweils zwei Drahtspiralen aufgeschoben, gesäumt von jeweils drei mal drei Perldrahtringen. Diese so genannten Manschetten halten jeweils vergoldete, mit je zwei umlaufenden gerippten Wülsten verzierte Pressbleche.
Sind die beiliegenden Bronzegefäße als römische Importe anzusprechen, entstammt u. a. der Halsring voraussichtlich heimischer Produktion. Das unmittelbare Vorkommen einer zur Grabanlage benachbarten und etwa zeitgleichen Siedlung, mit Resten von Wohnhalle, Getreidespeicher und Werkplatz mit Schmiede- und Gusseinrichtung für Eisen und Buntmetalle, - in der das Rohstück eines ebensolchen Halsringes gefunden wurde, vermuten dies. Dass es sich jedoch bei dem Halsring nicht nur um ein reines Schmuckelement für seine Trägerin, sondern um ein Statussymbol in eine gehobene Bevölkerungsschicht handelt, beweisen nicht nur Art und Umfang der Ausstattung der Bestatteten, bei der es sich durchaus um die Hofherrin der erwähnten Siedlung gehandelt haben könnte.

Das Objekt wurde neuerlich restauratorisch überarbeitet und ist nun "in neuem Glanz" vom 01. September 2013 bis 19. Januar 2014 in der Niedersächsischen Landesausstellung "Roms vergessener Feldzug. Die Schlacht am Harzhorn." im Braunschweigischen Landesmuseum zu sehen.

Literatur:
K. Peschel, Ein germanisches Frauengrab aus der Zeit der ersten Thüringer. In: Reichtümer und Raritäten. Denkmale, Sammlungen, Akten und Handschriften. Jenaer Reden und Schriften (Jena 1990), S. 68-76

B. Schmidt / J. Bemmann, Körperbestattungen der jüngeren Römischen Kaiserzeit und der Völkerwanderungszeit Mitteldeutschlands. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Landesmuseum für Vorgeschichte (Halle 2008)

Ivonne Przemuß