Aus der Mineralogischen Sammlung
Disthen führender Gneis
(Foto Birgit Kreher-Hartmann)

Aus der Schublade...

01.03.2017
Disthenstengel, Biotit, (Granat-)  Gneis aus Kabuler Altkristallin, Kartiergebiet südl. Dorf Butkhak, östl. Kabul (Afghanistan), HK71/72, steht auf dem aufgeklebten Etikett dieses Objektes.
Die cm langen auffällig weißen Disthene, die leistenförmig, teilweise radialstrahlig angeordnet in diesem Biotit-Granatgneis gewachsen sind, legitimieren das Stück zu seiner Einordnung in die mineralogische Sammlung. Dieser gut ausgebildete Gneis hätte auch in die petrographische Sammlung gepasst.
Disthen ist ein interessantes Mineral. Seiner Wortbedeutung nach mit di: zwei und stenos: Härten liefert er gleich seine physikalische Besonderheit. Es ist das einzige Mineral, bei dem die Härteanisotropie deutlich sichtbar und leicht zu erkennen ist. In der Längsrichtung liegt die Ritzhärte nach Mohs bei 3-4 und in der Querrichtung bei 6-7. Aber Disthen trägt noch einen zweiten Namen, nämlich Kyanit. Damit weist der Name auf seine häufig cyanblaue Farbe hin. Die zeigt dieses Objekt nicht, er fällt damit in der Schublade auf!

Gemeinsam mit anderen Kartierfunden, wie Lapis lazuli, den Spodumen- Edelsteinvarietäten Hiddenit und Kunzit sowie verschiedenen Vertretern der Granat-Familie und ausgefallenen Wüstenrosen-Bildungen  gehört dieses Exponat zur knapp 1000 Objekte umfassenden ehemaligen Kuhlke -Sammlung. Die Familie des Geologie-Professors Holger Kuhlke aus Clausthal-Zellerfeld gab seine Sammlung vor 10 Jahren als Spende nach Jena.  Kuhlke zählte zu den ersten Europäern, die ab Ende der 1960er Jahre in Afghanistan kartierten. Alle seine Exponate sind ausführlich beschriftet. Mit der Übernahme der Sammlung konnten Lücken bezüglich der Lokalitäten in der Jenaer Sammlung gezielt gefüllt werden.

Dieser Disthen steht zum ersten Mal in einer Ausstellung. Am 03. April 2017 um 19 Uhr gibt es eine Finissage zu: Ich baue Dich auf, der laufenden Sonderausstellung in der Mineralogischen Sammlung. Bis dahin kann er noch besichtigt werden, bevor er zu seinen "Verwandten" aus Brasilien, der Antarktis, etc. wieder in der Schublade verschwindet!

Disthen führender Gneis
Inv.Nr.: HS 41513, Objektbreite 20 cm, Sammlung Kuhlke

Dr. Birgit Kreher-Hartmann