Aus der Sammlung Antiker Kleinkunst
Der "Jenaer Maler"
(Foto Dennis Graen)




Dr. Dennis Graen
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Antiker Scherbenhaufen

01.03.2016
Im Mai 1852 erwarb der Begründer des Archäologischen Museums der Universität Jena, Carl Wilhelm Goettling (1793-1869), während einer Griechenlandreise einen Scherbenhaufen, dessen wissenschaftliche Bedeutung sich erst viel später erschloss. Die mehreren Dutzend Scherben, die bei Bauarbeiten im Gebiet des antiken Athener Töpferviertels Kerameikos gefunden wurden, gehören zu einem Abfallhaufen einer antiken Töpferwerkstatt aus der Zeit um 400 v.Chr., wie der große englische Vasenforscher John D. Beazley (1885-1970) als einer der ersten erkannte und dem ganzen Komplex nach seinem Aufbewahrungsort den Namen "Werkstatt des Jenaer Malers" gab. Obwohl sich in den Museen der Welt mehrere hunderttausend griechische Vasen befinden, wissen wir über die konkrete Organisation einer griechischen Töpferwerkstatt fast nichts. Diese Lücke kann der "Jenaer Maler" schließen: so befinden sich unter den Scherben neben zahlreichen missratenen Gefäßen auch unterschiedliche Vasenformen und Mal-Stile, die eine Entwicklung der Produktion - z.B. eine Umstellung auf billige Massenware und neue Formen in der Zeit der Wirtschaftskrise Athens nach dem verlorenen Peloponnesischen Krieg gegen Sparta (404 v.Chr.) - oder die Mitarbeit von Gehilfen erkennen lassen. Weltweit lassen sich dem "Jenaer Maler" an die 100 Werke zuordnen - mit traditionellen Fundorten wie Etrurien (was nun von Sparta bedient wurde), aber auch neu hinzugekommenen von Spanien bis ins Schwarzmeergebiet. Die für die neu erschlossenen Absatzmärkte im fernen Westen und Osten der mediterranen Welt neu entwickelten Formen wie Bolsals oder fußlose Schalen kamen offenbar auch dem Geschmack der Käufer am Schwarzen Meer entgegen.

Einige Scherben des Komplexes sind - zusammen mit Scherben aus Georgien - noch bis zum 27. März in der Ausstellung "Entdeckungen im Land des Goldenen Vlieses. Archäologische Funde aus Georgien in Jena" im Ausstellungskabinett der Universität Jena zu sehen. Bereits seit der Gründung griechischer Kolonien am Schwarzen Meer fand die elegante griechische Keramik - vor allem diejenige aus Athen - ihre Käufer auch im "fernen Osten". Neben den griechischen Kolonien auf der Halbinsel Krim oder an der georgischen Schwarzmeerküste fanden sich die griechischen Importe vor allem in der reichen Nekropole von Wani. Wie neueste Forschungen zeigen, erreichten einzelne Stücke - wohl über einen alten Handelsweg über den Zekari-Pass - sogar das Kura-Tal mit seinem Zentrum Atskuri.

Der "Jenaer Maler"
Lehrstuhl für Klassische Archäologie, Sammlung Antiker Kleinkunst
versch. Inv.-Nrn.
Erwerb: 1852
Datierung: um 400 v. Chr.
Material: Keramik (Ton)

Dr. Dennis Graen