Aus der Kustodie
Habsburger Stammbaum (Augsburg, 1535/37)
(Foto Jan Deichsel)

Dr. Babett Forster
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Ein Stammbaum in Jena

01.08.2016

Der Stammbaum wurde in Kooperation mit dem Fachrichtung Konservierung und Restaurierung an der FH Erfurt im Rahmen der Masterthesis von Julia Abramowicz erstmals kunsttechnologisch untersucht und eine Konzeption zur Konservierung, Restaurierung sowie Präsentation erstellt. Seine Restaurierung für die Thüringer Landesausstellung mit finanzieller Unterstützung der Gesellschaft der Freunde & Förderer der FSU sowie der Thüringer Staatskanzlei erfolgte durch den Restaurator Jan Deichsel.

Der Stammbaum entstand auf Basis zweier Holzschnitte Jörg Breus d. J. Der erste zeigt die Habsburger in ihren verwandtschaftlich-europäischen Verflechtungen, der zweite eine Kaisergenealogie von Friedrich I. bis zu Karl V. Der Stammbaum selbst wurde 1537 durch den in Augsburg ansässigen Formschneider Johannes Schwartzenberg um vier Schrifttafeln erweitert. Die oberen Tafeln beziehen sich auf Karl V. (links) und Ferdinand I. (rechts). Die unteren Tafeln betreffen die Ursprünge der Gesamtdynastie (links) und den Verfasser selbst (rechts).
Zu sehen ist die Genealogie der Habsburger von Rudolf I. bis Karl V. bzw. Ferdinand I. In deren Mitte ist unter dem Banner des Reichsadlers eine Medaille mit der Ausbreitung des Habsburger Reiches zu sehen. Diese wird durch die Säulen des Herakles und der Leitdevise Karls V. PLUS ULTRE flankiert. Die Darstellungsform ist ein nach oben geöffneter und mit Bildnissen, Schrifttafeln und Wappen verzierter Baum. Hervorzuheben sind die hochwertigen Materialien sowie die aufwendig betriebene Kolorierung.
Der Stammbaum gelangte im Zuge der Verlegung der Bibliotheca Electoralis von Wittenberg nach Jena. Er wurde dort in der Universitätsbibliothek aufbewahrt. Am geistigen Hort des wahren Luthertums konnte der Dynastie somit visuell gehuldigt und die alte Verbundenheit der Ernestiner mit den Habsburger öffentlich präsentiert werden.

Herausragende Objekte aus den Sammlungen der Friedrich-Schiller-Universität Jena  wie der hier  vorgestellte Stammbaum Kaiser Maximilian I werden in der Thüringer Landesausstellung "Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa" noch bis zum 28. August gezeigt.


Stammbaum Kaiser Maximilians I., um 1535
Zuschreibung an Jörg Breu d. J
Pergament auf Holz, Kolorierte Druckgrafik und Federzeichnung
118 cm x 61,5 cm (H x B)
Friedrich-Schiller-Universität Jena, Kustodie

Marcus Stiebing

Literatur
CUNEO, Pia F., Art and Politics in Early Modern Germany. Jörg Breu the Elder and the Fashioning of Political Identity, ca. 1475-1536 (= Studies in Medieval and Reformation Thought, Bd. LXVLL), Boston/ Köln/ Leiden 1998.

MESSLING, Guido (Bearb.)/ KAULBACH, Hans-Martin (Hg.) The new Hollstein German Engravings, Etchings and Woodcuts 1400-1700, 2. Bde., Outerkerk aan den Ijssel 2008.

Schwennicke, Detlev (Hg.), Die deutschen Staaten. Die Stammesherzoge, die weltlichen Kurfürsten,, die kaiserlichen, königlichen und großherzoglichen Familien (= Europäische Stammtafeln, N. F., Bd. I), Marburg 1980.