Aus der Kustodie
Porträt Andreas Ramdohr (1613–1656)

Dr. Babett Forster
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Kunsthistorisches Seminar
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Der Professor als Staranwalt

01.10.2015
Die Sammlung der Professorenporträts der Kustodie birgt so manche Überraschung. Obwohl sich bereits im 16. und 17. Jahrhundert eine Bildnistradition etablierte, die unter anderem die Farbgestaltung, das Format und die Pose des Dargestellten festlegte, fällt das eine oder andere Bild "aus dem Rahmen".

Das Porträt des Juraprofessors Andreas Ramdohr (1613-1656) ist so ein Sonderfall: Es unterscheidet sich sowohl durch das Format als auch durch die Pose von den anderen Professorenporträts seiner Zeit. Die herrschaftliche Pose, die vor allem durch den aufgestützten linken Arm und den selbstbewussten Blick hervorgerufen wird, verschafft Ramdohr den Eindruck von Dominanz und Selbstsicherheit. Das als Kniestück gestaltete Porträt rückt den massigen Körper des Juristen in den Mittelpunkt und ergänzt diesen durch einen links im Bild platzierten Tisch, auf den der Porträtierte seine rechte Hand aufstützt. Das Gemälde ist mit 107 x 87 cm deutlich größer als das etablierte Standardmaß von 90 x 65 cm.
Die Inschrift besagt, dass Ramdohr "einst öffentlicher Professor an der Saale-Universität" war und "jetzt Erster Syndikus der Republik Braunschweig" ist. Verschwiegen wird indessen die Tatsache, dass Ramdohr lediglich ein Jahr lang als Professor in Jena tätig war, bevor er dem Ruf des Herzogs von Braunschweig folgte. Dennoch ist sein imposantes und qualitätvolles Porträt in der Jenaer Sammlung vertreten.
Die Universität war insbesondere in den ersten 250 Jahren ihres Bestehens stets um die Vollständigkeit ihrer Sammlung von Professorenporträts bemüht. Da Ramdohr als Berater des Braunschweiger Herzogs in Rechtssachen eine äußerst wichtige Stellung innehatte, war der Besitz des Porträts eines erfolgreichen Absolventen für die Universität sehr wünschenswert. Da Andreas Ramdohr sein Wissen, das ihm letztlich die Stellung in Braunschweig einbrachte, während seines Jurastudiums in Jena erlangte, wollte sich die Universität die Lorbeeren dafür natürlich nicht nehmen lassen. Die Gestaltung des Porträts unterstreicht somit den Wohlstand und den Stolz des ehemaligen Juraprofessors, der sich in diesem Bildnis nicht als bescheidener Professor, sondern als Staranwalt präsentiert.

Neben zahlreichen anderen Professorenbildnissen aus mehreren Jahrhunderten ist das Porträt von Andreas Ramdohr noch bis zum 18. Oktober 2015 in der Ausstellung "Kluge Köpfe - Beredte Bilder. Gelehrtenbildnisse aus 450 Jahren Universitätsgeschichte Jena" im Stadtmuseum zu sehen.

Andreas Ramdohr (1613-1656)
Unbekannter Künstler niederländischer Schule (vermutlich aus Braunschweig) 1653 Öl auf Leinwand, 107 x 87 cm
[spätere] Bildinschrift: ANDREAS RAMDOHR J. V. D. QVONDAM IN ACADEMIA SALANA PROFESSOR PUPL: NUNC REIP: BRUNSV: SYNDICUS PRIMARIUS NATUS ASCANIÆ AO 1613. ANNO 1653 PINGI CUR.
Friedrich-Schiller-Universität Jena, Kustodie


Claudia Gaschler