Aus der Sammlung Ur- und Frühgeschichte
Drei Mittellatène-Fibeln von der Alteburg bei Arnstadt/Ilmkreis (Thüringen).
(Foto Ivonne Przemuß)



Prof. Dr. Peter Ettel
peter.ettel@uni-jena.de

Lehrstuhl Ur- und Frühgeschichte
Löbdergraben 24a
07743 Jena

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Eisenzeitliche Sicherheitsnadel

01.11.2016
Bei der "Alteburg" handelt es sich um einen Muschelkalksporn, der zwischen dem Tal der Gera und dem Jonastal, etwa 1,5 km südlich des Stadtzentrums von Arnstadt liegt. Der Sporn fällt zu drei Seiten hin steil ab, wodurch eine Befestigung nur in Richtung Nordwesten notwendig war. Diese wurde durch ein System aus Wällen gebildet, deren Reste man heute noch im Gelände erkennen kann. Aufgrund der archäologischen Funde kann man von einer Nutzung der  "Alteburg" seit der Zeit der Linienbandkeramik ausgehen. Der Schwerpunkt der Besiedlung ist aber in der späten Bronze- und der Eisenzeit zu sehen. Allerdings fanden bislang keine planmäßigen Ausgrabungen auf der "Alteburg" statt, sondern alle archäologischen Funde, wie auch diese aus der sogenannten Sammlung Caemmerer, wurden als Lesefunde von der Oberfläche geborgen.  Dazu zählen auch diese drei Fibeln. Es handelt sich bei allen drei Exemplaren um sogenannte hochgewölbte Fibeln mit eingeknicktem Bügel des Mittellatèneschemas (Beltz Variante J bzw. Kostrewski Variante G/H). Fibeln sind Trachtbestandteile, die sowohl zur Zierde als auch als Verschlusselement an der Kleidung getragen wurden. Charakteristisch für Fibeln dieses Typs ist ein fast halbkreisförmiger Bügel, dessen umgeschlagenes Fußende dicht am Fibelkopf (bzw. oberhalb der Spirale) den Bügel umklammert. An den beiden größeren Fibeln befinden sich zudem jeweils zwei Zierknöpfe auf dem umgeschlagenen Fußende; die kleine Fibel ist mit 1 Zierknopf und einer Verzierung aus Quer-Kerben am umgeschlagenen Fußende verziert. Die Reste der Spiralkonstruktionen weisen bei allen drei Fibeln auf einen ehemaligen Aufbau mit sechs Windungen und einer oberen Sehne hin, was ebenfalls ein Charakteristikum dieses Fibeltyps darstellt. Sie waren während des 2. und 1. Jahrhunderts v. Chr. im gesamten mitteleuropäischen Raum verbreitet und belegen die Ansprache der "Alteburg" als Höhensiedlung der vorrömischen Eisenzeit.
Die drei bronzenen Fibeln vom Fundplatz "Alteburg" bei Arnstadt stammen ursprünglich aus der Sammlung von Bruno und Erich Caemmerer, eine der umfangreichsten und bedeutendsten Privatsammlungen in Thüringen, die am 19.10.1959 durch Ankauf an das damalige Institut für Prähistorische Archäologie, heute Seminar für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie, nach Jena gelangte.
Die Caemmerer-Sammlung umfasst Objekte von insgesamt 72 Fundplätzen innerhalb Thüringens, Sachsen-Anhalts, Brandenburgs, Bayerns, Hessens und Mecklenburg-Vorpommerns sowie Österreichs, Polens, den USA und der ehemaligen Staaten Jugoslawien und Sowjetunion. Etwa die Hälfte der vorhandenen Fundplätze fallen dabei auf Thüringen wobei ein Schwerpunkt der Sammeltätigkeit auf dem heutigen Ilmkreis lag. Hierbei wird der größte Einzelkomplex der Sammlung von den Funden der "Alteburg" bei Arnstadt gebildet. Literatur:
E. Caemmerer, Die Alteburg bei Arnstadt: Ein Beitrag zur Kenntnis der Vorgeschichte Thüringens. (Leipzig 1924). Schloßmuseum Arnstadt (Hrsg.): Forscher- und Erfindergeist aus Arnstadt. (Arnstadt 2016).


Die drei Bronzefibeln und zahlreiche weitere Kleinfunde aus der ur- und frühgeschichtlichen Sammlung Jena, werden vom 11. November 2016 bis 23. April 2017 als Leihgaben in der Ausstellung "erfunden, erforscht, gebaut - Forscher und Erfindergeist" im Schlossmuseum Arnstadt zu sehen sein.




Inventar-Nr./Länge/Breite/Höhe/Gewicht:
33690/4 cm/1,5 cm/1,8 cm/3,2 g;
33695/2,2 cm/0,4 cm/1,3 cm/1,2 g;
33708/2,9 cm/1 cm/1,7 cm/3,6 g;
Material:  Buntmetall (vmtl. Bronze)
Zeitstellung:  Latène D (2. - 1. Jahrhundert v. Chr.)

Dr. des. Enrico Paust