Sonderausstellung bis 26. Januar 2020 | Ausstellungskabinett UHG E 0025, Fürstengraben 1, 07743 Jena | Mo-Fr 11:00 - 16:00 | Eintritt frei | Barrierefrei (Eingang Fürstengraben)

Gegen den Strom. Flussschifffahrt im Mittelalter

08.01.2020
Während heute Menschen und Güter größere Entfernungen vor allem auf Autobahnen und Schienen zurücklegen, bewegten sie sich zu Zeiten des Mittelalters vor allem auf Flüssen. Über ganz Europa erstreckte sich ein dicht verzweigtes Netz an Was­serstraßen, das Schifffahrt in nahezu alle Regionen des Kontinents ermöglichte. Meist nutzten die Bewohner natürliche Flussläufe, an einigen Stellen errichten sie aber auch Ka­näle. Die Lage an einem solchen Gewässer konnte beeinflussen, ob Städte sich zu Han­dels- und Machtzentren entwickelten. Eine neue Ausstellung an der Friedrich-Schiller-Uni­versität Jena widmet sich diesen besonderen Transportwegen zur Zeit des Mittelalters und stellt vor, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Wasserstraßen heute er­forschen. Sie ist bis 16. Januar 2020 im Ausstellungskabinett des Universitäts­hauptgebäu­des (Fürstengraben 1) zu sehen.

Die Schau „Gegen den Strom. Flussschifffahrt im Mittelalter“ wurde überwiegend am Deut­schen Schifffahrtsmuseum – Leibniz-Institut für Maritime Geschichte Bremerhaven unter der Leitung von Dr. Lars Kröger erstellt. Sie fasst aktuelle Forschung zur Binnenschifffahrt aus dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Schwerpunktpro­gramm „Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter“ zusammen, an dem auch die Universität Jena mit zwei Projekten beteiligt ist.

Schon während der Frühzeit ließen sich Menschen meist an fließenden Gewässern nieder und gründeten Siedlungen, die später zu Städten wurden“, sagt Prof. Dr. Peter Ettel von der Universität Jena, einer der Initiatoren des Schwerpunktprogramms. „Flüsse ent­wickel­ten sich also schnell zu wichtigen Orientierungslinien und Verkehrsadern in Europa.“ Kai­ser, Könige und andere Potentaten reisten auf Schiffen und Booten durch ihr Reich, um es vor Ort zu regieren und Recht zu sprechen. Kaufleute transportierten Waren und förderten den Wohlstand des Kontinents.

In der Ausstellung geben die Forscherinnen und Forscher einen Überblick über das Gewäs­sernetz und die Passagiere, die sich in ihm bewegten.
Archäologische Befunde informie­ren über einzelne Schiffs- und Bootstypen, wie sie gebaut wurden und wie sie sich fort­be­wegten, über unterschiedliche Hafenanlagen sowie über die verschiedenen Waren, die Kaufleute auf den Gewässern beförderten. Die reiche Bebilderung der Ausstellungstafeln veranschaulicht detailliert, wie Archäologinnen und Archäologen bei ihrer Arbeit vorgehen.

Verschwundene und überbaute Häfen

Eines der Jenaer Projekte, deren Ergebnisse sich teilweise in der Ausstellung wiederfin­den, widmete sich der Binnenschifffahrt im südlichen Mitteleuropa in einem Raum von Frankreich bis Regensburg. Iris Nießen und Doris Wollenberg werteten umfangreiche ar­chäologische Ergebnisse aus und untersuchten so die Entwicklung verschiedener Häfen sowie verwandter Bauwerke. Einerseits fokussierten sie sich auf Anlageplätze, die nur kurze Zeit von Bedeutung waren und heute weitgehend verschwunden sind. In der Nähe von Neustadt an der Saale etwa ließ Karl der Große Ende des 8. Jahrhunderts eine Kai­ser­pfalz errichten, da die Grenzregion seines Reiches seine Präsenz erforderte. Die Gegend erreichte er über Wasserstraßen. Nachdem sich sein Einflussgebiet weiter nach Osten ausgedehnt hatte, verlor die Region ihren Status als politisches Zentrum und der Hafen seine Bedeutung.

Andererseits nahmen die Jenaer Forscherinnen Metropolen ihrer Zeit, beispielsweise Re­gensburg, unter die Lupe, die bereits im Mittelalter auf eine lange Schifffahrtstradition zu­rückblickten. Von den Römern errichtete Hafenanlagen wurden hier lange Zeit weiter ge­nutzt, modernisiert und überbaut. Das betraf nicht nur die Anlegestellen, sondern ebenso umliegende Handwerkerviertel und andere Infrastruktureinrichtungen. Diese Kontinuität der intensiven Flussschifffahrt hatte einen erheblichen Einfluss auf die lange Zeit prospe­rierende Stadt.

Mammutprojekt des Mittelalters

In einem zweiten Projekt konzentrierten sich die Archäologen der Universität Jena auf die „Fossa Carolina“. Durch diesen auch „Karlsgraben“ genannten drei Kilometer langen Kanal in der Nähe des fränkischen Treuchtlingen wollte Karl der Große den Übergang zwischen Main und Donau erleichtern und damit eine durchgehende Verbindung vom Nordseeraum über den Rhein und die Donau bis zum Schwarzen Meer ermöglichen. Zu diesem Mam­mut­projekt des Mittelalters forschen Peter Ettel und sein Team bereits seit einigen Jahren – ihre Erkenntnisse haben sie durch eine zusätzliche Schautafel in die neue Ausstellung integriert.

Zum download:
Einladung zur Ausstellung
Flyer zur Ausstellung
Plakat zur Ausstellung