Aus dem Herbarium Haussknecht: Herbarbeleg von Pluchea dioscoridis

Leben am Toten Meer

01.02.2020
Angeregt durch die Reiseberichte seiner Studienkollegen Alexander von Humboldt und Friedrich Konrad Hornemann sowie den Berichten des Orientreisenden Carsten Niebuhrs plante der Mediziner und Naturforscher Ulrich Jasper Seetzen (1767–1811) ab 1800 eigene Forschungsreisen. Finanzielle Unterstützung erhielt Seetzen von Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg, den Seetzen während seiner Zeit an der Gothaer Sternwarte kennenlernte, wo er sich mit Vermessung, Geodäsie und Astronomie befasste. Im Juni des Jahres 1802 brach der Mediziner und Naturforscher Ulrich Jasper Seetzen zu einer ausgedehnten Reise auf, die ihn durch Kleinasien und auf die Arabische Halbinsel führen sollte. Geplant hatte er außerdem eine Durchquerung Afrikas von Ost nach West, zu der er allerdings nicht mehr kam, Seetzen starb auf unbekannte Weise 1811 im Jemen.

Seine umfangreichen Sammlungen, darunter über 3500 Bände orientalischer Handschriften, unzählige Pflanzen, Tiere, Mineralien, Schmuck, Hausgeräte, sandte er dem Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg. Über Seetzens Tagebücher, Korrespondenzen, Manuskripte und handgeschriebene Kataloge lassen sich die Reisen und Sammlungsgegenstände für diese Zeit gut nachvollziehen.[1] Ein Großteil dieser Objekte befindet sich noch heute in der Forschungsbibliothek Gotha. Die Herbarbelege indes wurden zwischen 1950 und 1960 aus dem damaligen Naturkundemuseum Gotha nach Jena in das Herbarium Haussknecht der Friedrich-Schiller-Universität transferiert und hier in die Generalsammlung integriert, darunter auch Pluchea dioscoridis (L.) DC.

Die zu den Korbblütengewächsen (Asteraceae) gehörende Gattung Pluchea ist nach dem französischen Abbé Noël-Antoine Pluche (1688–1761) benannt, der mit einem eher populärwissenschaftlichen Werk, Spectacle de la nature, ou Entretiens sur les particularités de l'Histoire naturelle qui ont paru les plus propres à rendre les jeunes gens curieux et à leur former l'esprit (9 Bände zwischen 1732 und 1742) Bekanntheit erlangte. Die dem Alant (Inula) verwandte Gattung Pluchea umfasst an die 60 Arten „in den wärmeren Gegenden der Alten und Neuen Welt“[2].

Auf den Etiketten der Pflanzenbelege notierte Seetzen oftmals nur die Fundorte in einer für damalige Zeiten typisch spartanischen Weise, selten auch einen Pflanzennamen. Die Pluchea dioscoridis wurde dem Etikett nach auf der Ostseite des Toten Meeres gesammelt. Durch den Abgleich mit Tagebüchern wissen wir, dass Seetzen zwischen dem 24. Dezember 1806 und dem 31. Januar 1807 auf dieser Seite unterwegs war. Überhaupt war er der erste Europäer, der das Tote Meer vollständig umrundete.[3] Die Pflanzen seiner Sammlung wurden später von Heinrich Gustav Reichenbach (1824–1889) bestimmt.

Hoffmann, Otto (1889): Compositae. In: Engler, A. & Prantl, K.: Die natürlichen Pflanzenfamilien nebst ihren Gattungen und wichtigeren Arten, insbesondere den Nutzpflanzen, unter Mitwirkung zahlreicher hervorragender Fachgelehrten. Leipzig: Engelmann. S. 87–375.
Michel, Christina (2019): Forschen. In: Peilstöcker, M. und Wolfram, S.: Leben am Toten Meer. Archäologie aus dem Heiligen Land. Ausstellungskataloge des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz 3. S. 260–270.
Wallenstein, Uta (1995): „Ich habe mehr gefunden, als ich erwartete…“ ­– Seetzen und die Ägyptensammlung Gotha. In: Stein, H. (Hg.): Ulrich Jasper Seetzen /1767–1811): Leben und Werk; die arabischen Länder und die Nahostforschung im napoleonischen Zeitalter. Veröffentlichungen der Forschungs- und Landesbibliothek Gotha 33. S. 65–76.

[1] Wallenstein 1995, S. 71.
[2] Hoffmann 1889, S.176.
[3] Michel 2019, S. 261.


Pluchea dioscoridis (L.) DC., Sammlung Herbarium Haussknecht
Inv. Nr. JE00024333 und JE00024334.
Maße: 28,3 x 48 cm.
„Von der Ostseite des todten Sees. El Schümmám. Strauch, aus dessen Schössen man Pfeifenrohre macht.” Herbarium Ulrich Jasper Seetzen, Gotha.

Der Herbarbeleg von Pluchea dioscoridis ist noch bis zum 29. März 2020 in der Ausstellung „Leben am Toten Meer“ im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz (smac) zu sehen. Begleitend ist ein Ausstellungsband erschienen: Leben am Toten Meer. Archäologie aus dem Heiligen Land. Herausgegeben von Martin Peilstöcker und Sabine Wolfram. 2019.

Kristin Victor