Aus der Sammlung Ur- und Frühgeschichte: Trommel (3.400 - 3.100 v.Chr.), Vippachedelhausen, Lkr. Weimarer Land


Steinzeitliche Klänge

01.10.2019

Trommeln finden sich in vielen Kulturen der Welt. Darüber kann man sich noch bis zum 8. November in der Sonderausstellung "Klingende Objekte" informieren. Dass Trommeln aber nicht nur in unterschiedlichen Kulturen, sondern auch in verschiedenen Epochen verwendet wurden, zeigt das Objekt des Monats:
Die hier vorgestellte Tontrommel ist über 5000 Jahre alt und wurde bereits im 19. Jahrhundert von Friedrich Klopfleisch ausgegraben. Mit seiner Sammlung gelangte sie in die Bestände des damaligen Germanischen Museums zu Jena. Sie stammte aus einem Grabhügel, in dem neben den neolithischen Zentralbestattungen auch Nachbestattungen aus der Hallstattzeit sowie der Römischen Kaiserzeit niedergelegt wurden.

Bei der Trommel handelt es sich um ein sanduhrförmiges Tonobjekt ohne Boden, dessen Außenseite flächig mit Ritzlinien verziert ist. Am Oberteil sind noch drei nach unten weisende Zapfen erhalten. Tonobjekte dieser Form wurden bereits im 19. Jahrhundert als Trommel identifiziert, wobei die Zapfen zur Befestigung der Klangmembran dienten.

Vergleichbare Tontrommeln sind im Mittelneolithikum schwerpunktmäßig vom Nordharzvorland über das Saalegebiet bis nach Nordthüringen verbreitet. Sie lassen sich mit den archäologischen Kulturgruppen der Bernburger, Walternienburger sowie Salzmünder Kultur verbinden. Dabei lässt sich die hier vorgestellte Trommel aufgrund ihrer Verzierung und der Form der Zapfen der Salzmünder Kultur zuweisen und so in den Zeitraum zwischen 3.400 und 3.100 v.Chr. datieren.

Genau wie die Trommel aus Vippachedelhausen, weisen auch die vergleichbaren Trommeln flächige Muster aus Ritzlinien auf. Diese sind zum Teil nicht nur auf den Außenseiten der Trommeln angebracht sondern auch auf der Innenseite des Fußes. Daher liegt nahe, dass die Trommel in einer waagerechten Haltung, z. B. unter den Arm geklemmt, genutzt wurden, da nur so der Blick auf die Verzierungen im Inneren des Fußes frei war.

Da die Trommeln genau wie dieses Exemplar überwiegend aus Gräbern bekannt sind, werden sie meist in einem Zusammenhang mit rituellen Zeremonien gesehen.

Inventar-Nr.:     6202
Datierung: Salzmünder Kultur (3.400 - 3.100 v.Chr.)
Maße: Höhe = 17 cm, Mündungsdurchmesser (oben) = 16 cm, Mündungsdurchmesser (unten) = 14 cm, Durchmesser Umbruch = 7 cm, Wandungsstärke = 0,7 cm
Material: Keramik (Härte = mittelhart, Farbe = mittelgrau, Magerung = mittel bis grob)
Brandart: reduzierender Brand
Gewicht (inkl. Gipsergänzung): 575,22 g

Literatur: U. Fischer, Zu den mitteldeutschen Trommeln, Archäologisch-Geographische Zeitschrift 2,3/4, 1951, 1-8.G. Mildenberger, Die neolithischen Tontrommeln. Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte 36, 1952, 30-41.M. Lustig, Die neolithischen Tontrommeln im mittel- und norddeutschen Raum. In: E. Hickmann, A. D. Kilmer, R. Eichmann (Hrsg.), Studien zur Musikarchäologie III. Archäologie früher Klangerzeugung und Tonordnung. Musikarchäologie in der Ägäis und Anatolien. Orientarchäologie 10 (Rahden/Westf. 2002) 171-1896.N. Scheyhing, T. Schunke, Der magische Klang – die Tontrommeln des 4. Jahrtausends v. Chr. In: H. Meller (Hrsg.), 3300 BC. Mysteriöse Steinzeittote und ihre Welt (Halle 2013) 257-261.

Dr. Enrico Paust