Aus der Sammlung Ur- und Frühgeschichte: Der spätbronzezeitliche Hortfund von Münchenroda, späte Bronzezeit (ca. 950-800 v.Chr.) (Foto Yvonne Przemuß)

Zufallsfund beim Pflügen

03.05.2019
Der spätbronzezeitliche Hortfund von Münchenroda
Im Jahr 1885 legten die Landwirte C. und H. Frommann beim Pflügen ihres Feldes im Münchenrodaer Grund mehrere Bronzegegenstände frei, die sich in nächster Nähe zur sogenannten Einhügelquelle befanden. Nach weiteren Untersuchungen der Umgebung durch Prof. Dr. F. Klopfleisch, dem Gründer des Germanischen Museums der Universität Jena, konnten die 22 gefundenen Bronzegegenstände als Hortfund identifiziert werden, welcher ohne eine Steinsetzung, Keramik, Knochen oder andere Funde an der Quelle platziert wurde. Erste Ergebnisse und eine detaillierte Auswertung der einzelnen Hortfundelemente wurden bereits 1908 durch Dr. G. Eichhorn in der Zeitschrift für Ethnologie vorgelegt.

Der Hort von Münchenroda setzt sich aus den Gattungen Waffen, Werkzeuge, Pferde- und Trachtschmuck zusammen, wobei die Schmuckelemente zahlenmäßig überwiegen. Dennoch stellt vor allem das Antennenschwert mit einer aus einer Lausitzer Armspirale umgearbeiteten Scheidenumwicklung und einem Tüllenortband das herausragendste und größte Element und somit das Herzstück des Hortfundes dar. Chronologisch lässt sich der Zeitpunkt der Niederlegung in die Spätbronzezeit bzw. 950-800 v. Chr. einordnen, denn obwohl einige Stücke durch lange Laufzeiten gekennzeichnet sind, kommen andere Elemente als Leitformen schwerpunktmäßig nur in dieser Zeit vor (z.B. ein Lappenbeil mit Öse, alle enthaltenen Phaleren oder der Gehängeschmuck mit Herdringen).

Bronze von Nah und Fern – Gaben an die Götter?
Zudem sind die Herkunftsgebiete der einzelnen Hortfundelemente sehr vielfältig. Einige Stücke weisen eine mitteleuropäische und damit überregionale Verbreitung auf (Schleifenringe, Lockenring, Tüllenortband, Knopfsichel Typ Penkhof II), andere zeigen durch ihre Form oder Verzierung einen Einfluss der Lausitzer-(Zungensicheln, Schwertscheide) sowie der Pfahlbau-Kultur auf. Andere Stücke wiederum belegen Einflüsse aus Süddeutschland  (Lappenbeil, Prunkphalere, Phalere mit konz. Kreisverzierung, Ösenknöpfe). Ein besonderes Augenmerk liegt indessen auf spezifischen mitteldeutschen Formen, so beispielsweise das Antennenschwert, der Nierenarmring (Saalegruppe), eine Phalere vom Typ Kallies, ein Armspiralenbruchstück, der Gehängeschmuck mit den Herdringen und eine Knopfsichel vom Typ Frankleben.

Die Niederlegung an der Quelle des Einhügels könnte ein Hinweis auf einen sakralen Hintergrund sein. Dies wird allgemein für Deponierungen an Quellen bzw. Gewässern jeglicher Art angenommen, weil derartige Horte meist nicht wieder gehoben werden können. Hervorgehoben wird diese Annahme durch den Nachweis, dass Antennenschwerter vorliegenden Typs aufgrund ihrer Konstruktion weder als Hieb- noch als Stichwaffe geeignet waren und somit als reine Votivwaffen betrachtet werden können. Damit ist für die Gesamtdeutung des Hortes von Münchenroda eine Niederlegung mit sakralem Motiv bzw. Hintergrund recht wahrscheinlich.

Objekte: Hortfund
Datierung: späte Bronzezeit (ca. 950-800 v.Chr.)
Material: Bronze
Inv.-Nr.: 4506 bis 4530

Der Hortfund ist noch bis zum 15. Juli 2019 in der Ausstellung Parallelwelten. Bronzezeit am Mittelmeer und in Mitteldeutschland im Institut für Altertumswissenschaften, Archäologische Sammlung, Fürstengraben 25, 07743 Jena | Dienstag von 10-12 Uhr, Freitag von 14-16 Uhr, Sonntag von 13-15 Uhr sowie nach Vereinbarung bei freiem Eintritt zu bewundern.


Stephanie Kula M. A.