Aus der Sammlung Ur- & Frühgeschichtliche Archäologie:
Aunjetitzer Hockerbestattung als Block, Frühbronzezeit (2.200 - 1.800 v. Chr.)
(Foto Ivonne Przemuß)

Eine der frühesten Blockbergungen in Thüringen

01.01.2019
Bei dem vorgestellten Objekt aus dem Bestand der Sammlung Ur- und Frühgeschichte handelt es sich um eine sog. Blockbergung eines Grabes der frühen Bronzezeit. Hierfür wurde das Skelett, in diesem Fall das eines ca. 12 jährigen Kindes, in ein Gipsbett eingegossen und somit in situ, also in originaler Fundlage gesichert. Sie kann als eine der frühesten Blockbergungen bezeichnet werden und ist gleichwohl die einzige am Seminar für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie in Jena.

Aus historischen Briefwechseln zwischen dem Ausgräber Arno Schröder und dem damaligen Direktor des Germanischen Museums, Gustav Eichhorn, geht hervor, dass das Grab im Jahre 1903 in Hirschroda (Saale-Holzland-Kreis) in der dortigen Flur "In der Oppe" gefunden und ausgegraben wurde. Das hier vorgestellte Grab 12 ist eines von insgesamt 14 spätneolithischen und frühbronzezeitlichen Gräbern dieses Areals und beim Pflügen durch Landwirt Karl Kunze auf dessen Grundstück entdeckt worden.

Arno Schröder, seinerzeit Pfarrer aus dem benachbarten Hainichen (Saale-Holzland-Kreis), verfügte sowohl über ein großes Interesse an vorgeschichtlichen Altertümern als auch über eine herausragende Privatsammlung einzigartiger archäologischer Objekte regionaler als auch überregionaler Fundorte. Durch seine Mitgliedschaft in der Jenaer Sektion der Deutschen Urgeschichtlichen Gesellschaft war er mit G. Eichhorn bekannt und so auch mit den damals gängigen Ausgrabungs- und Dokumentationstechniken vertraut.
Laut A. Schröders Beschreibungen war die Grabgrube ca. 35 cm tief in eine Muschelkalkbank eingemeißelt. Sie enthielt ein Kinderskelett, welches rechtsseitig und in gehockter Stellung in Südwest/ Nordost-Ausrichtung, mit Kopf im Südwesten und Blick gen Osten, niedergelegt war. "...Das Skelett war verhältnismäßig gut erhalten; wir haben es deshalb am Montag in Gips gegossen..." (Auszug aus einem Briefwechsel zwischen A. Schröder und G. Eichhorn vom 19. März 1903, Ortsaktenarchiv UFG Jena). Heute liegt uns das Skelett spiegelverkehrt vor, da es nach seiner Freilegung vor Ort mit Gips übergossen, der ausgehärtete Block anschließend gedreht und darauffolgend seine Unterseite freipräpariert wurde.

Als Grabbeigaben sind dem verstorbenen Kind ein Knochenpfriem, ein Feuersteinmesser, eine Feuersteinpfeilspitze, Schalen von Conchifera (Schalenweichtiere) und ein Keramikgefäß mitgegeben. Von letzterem sind ausschließlich wenige Scherbenreste erhalten (das abgebildete Gefäß aus Grab 5 soll exemplarisch für das nicht rekonstruierbare Gefäß aus diesem Grab stehen). Körperlage und Beigaben der Bestattung datieren in die sog. Aunjetitzer Kultur der frühen Bronzezeit (2.200-1.800 v. Chr.).
Die Blockbergung war seit der Schließung des Germanischen/Vorgeschichtlichen Museums im Jahre 1968 ausgelagert und in Vergessenheit geraten. Der verheerende Zustand von Block und Vitrine veranlassten jüngst eine restauratorische Überarbeitung.

Dieser und weitere herausragende Funde sind Bestandteil der Ausstellung "Archäologie im Wandel der Zeit – Die Sammlung Ur- und Frühgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität", ein studentisches Ausstellungsprojekt des Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschichte mit Sammlung UFG, noch bis zum 1. Februar 2019 im Universitätshauptgebäude (Raum 025) zu sehen.

Objekt: Aunjetitzer Hockerbestattung als Block
Datierung: Frühbronzezeit (2.200 - 1.800 v. Chr.)
Material:Knochen in Gips
Inv.Nr.: nicht vergeben

Text Ivonne Przemuß (Dipl.-Restauratorin)