Nachbau einer Camera obscura von 1767, Nachbau nach Vorlage von Georg Friedrich Brander (1713–1783), Ernst-Haeckel-Haus, Sammlung Experimentelle Wissenschaftsgeschichte

Vom Sehen und Zeichnen oder Eine Camera obscura auf Reisen

01.10.2018
Anlässlich der Sonderausstellung „Gotha VorBildlich! – Modellsammlungen um 1800“ auf Schloss Friedenstein in Gotha (bis 28. Oktober 2018) wurde aus der Sammlung Experimentelle Wissenschaftsgeschichte der Nachbau einer Camera obscura zur Verfügung gestellt.
Entstanden 2004 im Kontext des SFB 482 „Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800“, hat der damalige Projektmitarbeiter Matthias Müller eine Camera obscura aus dem Jahr 1767 rekonstruiert. Die Anleitung stammte von dem bekannten Augsburger Instrumentenbauer Georg Friedrich Brander (1713–1783). Grundlage war dessen Kurze Beschreibung einer ganz neuen Art einer Camerae Obscurae ingleichen eines Sonnen Microscops welches man bequem aller Orten hinstellen und ohne Verfinsterung des Zimmers gebrauchen kan womit auch allerley Objekte auf eine sehr leichte Art in einer selbst beliebigen Größe gezeichnet und aufgerißen werden können (Augsburg 1767).

Das Grundprinzip der Camera obscura beruht auf der invertierten Projektion eines beleuchteten Bildmotivs durch eine kleine Öffnung in einen verdunkelten Raum. Optische Komponenten wie Spiegel und Linsen erlaubten entsprechende Verkleinerungen und Vergrößerungen. Die Projektion des Bildes auf eine Mattscheibe ermöglichte das Abzeichnen des Motivs, auch waren Sonnenbeobachtungen möglich (Helioskop). Das physikalische Prinzip fand Anwendung in ganz unterschiedlichen Größen, von Zeltaufbauten bis zu handlichen Geräten.

Download: Als PDF finden Sie eine Vorlage, mit der Sie selber eine Camera obscura nachbauen können.

Weiterführende Literatur:
„Gotha VorBildlich!“ – Modellsammlungen um 1800. Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung vom 27. Mai bis 27. Oktober 2018. Gotha 2018.
Olaf Breidbach, Kerrin Klinger, Matthias Müller: Camera Obscura. Die Dunkelkammer in ihrer historischen Entwicklung. Stuttgart 2013.
Olaf Breidbach, Kerrin Klinger, André Karliczek (Hrsg.): Natur im Kasten: Lichtbild, Schattenriss, Umzeichnung und Naturselbstdruck um 1800. Katalog zur Sonderausstellung „Die Natur im Kasten. Lichtbild, Schattenriss, Umzeichnung und Naturselbstdruck um 1800“, 20. Mai – 23. September 2010 im Ernst-Haeckel-Haus. Jena 2010.

Nachbau einer Camera obscura von 1767 durch Matthias Müller, nach Vorlage von Georg Friedrich Brander (1713–1783), Ernst-Haeckel-Haus,  Sammlung Experimentelle Wissenschaftsgeschichte
Inv.-Nr.: EWG_2013_00011, Maße: 90cm/(120cm ausgezogen) x 63 x 94cm/(130cm mit Aufsatz)
Institut für Zoologie und Evolutionsforschung mit Phyletischem Museum, Ernst-Haeckel-Haus und Biologiedidaktik

André Karliczek und Andreas Christoph