Aus der Mineralogischen Sammlung:
Orthoklas (Loket/Tschechien)
(Foto Birgit Kreher-Hartmann)

Goethes Spiel mit dem Feuer

01.05.2018
„durch Feuer veränderter Feldspat mit noch bemerkbaren schalig abgesonderten  Stücken“ und „Dallwitz im Feuer“ ist die Beschriftung, die zu diesem Objekt der Mineralogischen Sammlung  vorliegen. Dieser veränderte Feldspat gehört zu einen Bestand von über 250 Stücken der sog. Goethesammlung.  Stücke, die Johann Wolfgang von Goethe  (1749 -1832) zu seinen Lebzeiten in Suiten an die Mineralogische Societät nach Jena schenkte. Alle Stücke stehen im Kontext zu Goethes Forschungen zur Gesteinsentstehung.
Johann Wolfgang von Goethe  schwankte Zeit seines  Lebens zwischen den Ansichten der Neptunisten und denen der Plutonisten.  Wie waren die Gesteine nun wirklich entstanden? Um diesem Phänomen auf die Spur zu kommen und Argumente zu sammeln, beschloss er Schmelz- bzw. Brennversuche durchzuführen.  Er sammelte Minerale, z.B. Orthoklase, die kaliumreichen Feldspäte, die zu den Hauptgemengteilen des Gesteins Granit gehören  und beobachtete ihre Veränderung im Feuer.  Ebenso sammelte er Augite und Hornblenden, die üblicherweise in Basalten zu finden sind und untersuchte auch deren Veränderungen im Feuer.  Er  führte diese Versuche zuerst im Gebiet um Dallwitz (zw. Cheb und Karlovy Vary im Egergraben / Tschechien) und später in Jena durch. Es sind aus seinen  Aufzeichnungen Brennversuche im Juli1820 in der ehemaligen Tonröhrenfarbik in Jena-Zwätzen belegt.  Trotz teils richtiger Beobachtungen hat sich Goethe auch durch seine Experimente nicht von der neptunistischen Sichtweise völlig getrennt.

Untersuchungen zu diesem Thema wurden im Rahmen des „SFB482,  Jena-Weimar: Kultur um 1800“ durchgeführt; Ergebnisse sind u.a.  veröffentlicht in: Horn, Susanne; Kreher-Hartmann, Birgit; Heide, Klaus: Melting experiments and field work on Komorní Hùrka volcano, Bohemia, by Johann Wolfgang von Goethe. - J. Geodynamics 32 (2001) 77-97.

Orthoklas (Loket/Tschechien), gebrannt; 6x5x3 cm;  
Inv.Nr.:  XX.37
Mineralogische Sammlung der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Noch bis Anfang September 2018 sind 29 Proben aus den Goethesuiten für die Präsentation im Rahmen einer Sonderausstellung „Goethe und die Naturwissenschaften“ an die Mineralogiche Staatssammlung München - Reich der Kristalle entliehen. Gerade das abgebildete Stück ist einer der wenigen erhaltenen Belege für die Experimente, die Goethe für sein Verständnis zur Bildung der Gesteine unternahm.

Dr. Birgit Kreher-Hartmann