Aus der Mineralogischen Sammlung: Cerussit von Blagodatnoje, Sverdlovsker Oblast, Ural, Russland
(Foto Jan-Peter Kasper)

Eine "Küste" mit Mineralen

01.09.2018
Dieser Cerussit, von den Bergleuten auch Weissbleierz genannt, könnte sicher viele Geschichten erzählen.

Wir wissen von ihm, dass er in Blagodatnoje, Sverdlovsker Oblast, (dem früheren Blogodalskoi, der deutschen Siedlung Gnadenfeld) im Ural ans Licht befördert wurde. Der Ural ist reich an Metallen wie Gold und Platin aber auch die sog. Buntmetalle, die sulfidischen Erze mit Blei, Kupfer und Zink, wurden und werden abgebaut und verarbeitet. In der Zeit 1815/16 gelangte der Cerussit in den Besitz von Lorenz Pansner, welcher den Ural bereiste.

Und nun wird die Geschichte für Jena spannend: Johann Heinrich Lorenz Pansner wurde 1777 im thüringischen Arnstadt geboren und starb dort 1851. Sein Studium absolvierte er an der Universität Jena bei dem ersten Professor für Mineralogie, Johann Georg Lenz. Als junger Student erlebte er 1797 die Gründung der „Societät für die gesammte Mineralogie zu Jena“, der ersten geowissenschaftlichen Vereinigung der Welt. Nach seiner Promotion und Habilitation in Jena verließ er 1802 Thüringen und ging über das Baltikum nach St. Petersburg. Stets blieb er seinem Lehrer Lenz verbunden. Er schickte Briefe von seinen zahlreichen Reisen durch Russland nach Jena und er berichtete in diesen von neuen Mineralentdeckungen und von den Landschaften, die er erlebte. 1816 kündigte er Lenz die Absendung einer „Küste“ mit Mineralen mit einem Fuhrunternehmer über Lübeck nach Jena an. Der Erhalt dieser „Küste“ wurde von Lenz in einem Brief bestätigt und der Museumsschreiber erstellte einen Katalog zu den Objekten. Unter den geschickten Objekten war auch der abgebildete Cerussit, ein Bleikarbonat. Dieses Stück zeigt auch noch die von Pansner vergebene Nummer „22“, die im Katalog auch zu finden ist. Gemeinsam mit sieben weiteren von Pansner geschickten Stücken und ergänzt durch einige Geschenke von Arbeitskollegen von Pansner, ebenfalls 1816 aus St. Petersburg geschickt, hat der Cerussit in den letzten zwei Jahren Arnstadt besucht und war auch für ein halbes Jahr nach St. Petersburg zurückgekehrt.

Bei einer Ausstellung über „berühmte Köpfe“ der Stadt im Schloßmuseum Arnstadt war der Cerussit von November 2016 bis April 2017 ausgestellt und von Oktober 2017 bis April 2018 war er im Gorny Museum in einer Sonderausstellung zu Ehren Pansners zu sehen. Denn Lorenz Pansner, der in Deutschland in Mineralogenkreisen heute eher unbekannt ist, hat 1817 nach dem Vorbild der Jenaer Societät die „Societät für die gesammte Mineralogie zu St. Petersburg“ begründet. Die heutige Russische Mineralogische Gesellschaft ist die einzige noch aktive der ehemaligen Societäten in Jena, Ungarn und Russland und sie feierte im Oktober 2017 mit einer festlichen Tagung in St. Petersburg dieses Ereignis und ihren Begründer. Die Ausstellung in St. Petersburg war ein Gemeinschaftsprojekt des Mineralogischen Institutes an der Bergakademie Freiberg, dem Gorny-Museum und der Gorny-Universität in St. Petersburg und der Mineralogischen Sammlung in Jena. Und dieses Projekt hat „Füße“ bekommen und ist in neuem Gewand und mit erweiterter Mineralausstellung – aber immer noch dreisprachig – seit dem 14. Juli und noch bis Anfang Oktober im Ausstellungskabinett des Universitätshauptgebäudes (Raum E025) anzusehen.

Bei freiem Eintritt kann sie Montag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr besucht werden. Öffentliche Führungen sind der Presse zu entnehmen.

Ansprechpartner / Anfragen für Führungen
bei Dr. Birgit Kreher-Hartmann birgit.kreher(at)uni-jena.de