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Gehenkelter Solidus aus Eckolstädt (5. Jahrhundert n.Chr., Lkr. Weimarer Land) (Foto Yvonne Przemuß)
Aus der Sammlung Ur- und Frühgeschichte: Gehenkelter Solidus aus Eckolstädt (5. Jahrhundert n.Chr., Lkr. Weimarer Land) (Foto Yvonne Przemuß)

Römische Goldmünze vom Thüringer Kartoffelacker

01.04.2020

Der hier vorgestellte Solidus wurde 1934 von Maria Mayberg bei der Kartoffelernte auf dem Acker ihres Mannes, 300 Meter südöstlich von Eckolstädt, gefunden und wurde am 16.01.1935 für 15 Reichsmark vom damaligen Germanischen Museum der Friedrich-Schiller-Universität Jena gekauft. Der Solidus stammt aus der Zeit des spätantiken oströmischen Kaiserreichs und ist als Einzelfund überliefert.

Bei dem Fundstück handelt es sich um eine Goldmünze, einen Solidus, der gehenkelt und wohl während der Zeit des Thüringer Königreichs als Anhänger getragen wurde. Goldmünzen bzw. Goldsolidi aus dieser Zeit, vor allem außerhalb des Römischen Reiches, sind sehr selten.

Auf einer Seite ist die Büste des oströmischen Kaisers Leo I. (457 – 474 n.Chr.) mit geschulterter Lanze, Helm und Schild en face, mit der Umschrift D(ominus) N(oster) LEO PERPET(uus) AVG(ustus) zu sehen. Die zweite Seite ziert, auf dem Kopf stehend, die römische Siegesgöttin Viktoria mit einem Vortragekreuz nach links und der Umschrift VIKTORIA AVGGG(ustorum) ∆ CON(stantinopolus). Das OB unter der Viktoria bezeichnet die Prägestätte und den Münzfuß. Die später angefügte Öse befindet sich über dem Scheitel der Viktoria. Somit war beabsichtigt beim Tragen die Seite mit der Viktoriadarstellung als Schauseite zu verwenden.

Solidi wurden erstmals 309 n.Chr. in Trier und ab 324 n.Chr. im gesamten Reich geprägt. Die Goldmünze war über Jahrhunderte die Leitwährung und wog meist sehr genau 1/72 Gold, etwa 4,55 Gramm. Auf einen Solidus gingen 24 Silbermünzen, sogenannte Siliquae von je 2,72 Gramm. Bis in die Karolingische Zeit lag die Wertrelation Gold : Silber bei 14,4 : 1.

Der Solidus selbst hatte aber einen zu hohen Metallwert und war wohl nicht als Geld im Umlauf. Der Besitz von Gold war ein Privileg von Stammesadel und wird oft als Grabbeigaben angetroffen. Ebenfalls sind Solidi oft eingeschmolzen und/oder zu Schmuck weiterverarbeitet worden. Es waren daher eher andere „Geldformen“ wie Ringe, Barren, Geräte oder gewogenes Metall, als die Solidi im Umlauf.

Inventar-Nr.:   25029
Datierung:      Völkerwanderungszeit, 5. Jahrhundert n.Chr.
Material:         Gold
Maße:             Durchm. 2,0-2,1 cm; Dicke 0,15 cm; Öse 0,65 x 0,4 x 0,25 cm
Gewicht:         4,55 g


Literatur:

R. Laser, K. Stribrny, Die Fundmünzen der Römischen Zeit in Deutschland. Abteilung X Sachsen-Anhalt, Abteilung XIII Thüringen (Mainz 2003), 185.

R. Laser, Die römischen und frühbyzantinischen Fundmünzen auf dem Gebiet der DDR. Schriften zur Ur- und Frühgeschichte, Bd. 28 (Berlin 1980), 255.

G. Neumann, Der Stein von Hainichen bei Dornburg a.d.S., eine bedeutsame religionsgeschichtliche Urkunde. Alt-Thüringen 1, 1953/1954, 321-323.

B. Schmidt, Die späte Völkerwanderungszeit in Mitteldeutschland. Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle, Bd.18 (Halle 1961), 158.

B. Schmidt, Die späte Völkerwanderungszeit in Mitteldeutschland. Katalog (Südteil). Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte, Bd. 25 (Halle 1970) 46.


Marie-Ronja Schmidt-Knäbel